Die Oberbaumbrücke bei Nacht, angestrahlte Backsteintürme über der dunklen Spree am Südrand von Friedrichshain.

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Kammerjäger Friedrichshain

Wir kommen nach Friedrichshain, sehen uns den Befall an und nennen den Preis, bevor wir anfangen. Bei Ratten ist die Meldung an das Gesundheitsamt Pflicht — an welches Amt sie aus Friedrichshain geht, steht weiter unten auf dieser Seite.

Sachkunde
TRGS 523
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Schädlingsbekämpfung in Friedrichshain: drei Bauformen, drei Ausgangslagen

Friedrichshain ist baulich kein einheitlicher Ort: Gründerzeitblöcke um den Boxhagener Platz, Gastronomie in den Erdgeschossen der Kneipenzüge, Neubauquartiere zwischen Ostbahnhof und Spree. Diese Seite sagt, welche Fragen ein Befall in jeder dieser Bauformen stellt, was davon meldepflichtig ist und an welches Amt die Meldung geht.

Das Wichtigste zuerst

  • Friedrichshain ist ein Ortsteil, kein Bezirk. Ein eigenes Gesundheitsamt für den Ortsteil gibt es nicht, die Meldung geht an das Gesundheitsamt des Bezirksamts Friedrichshain-Kreuzberg.
  • Ein Rattenbefall ist unverzüglich zu melden, und unverzüglich ist eine Fachkraft zu beauftragen. Mäuse, Bettwanzen und Motten stehen nicht in der Verordnung.
  • Drei Bauformen prägen den Ortsteil: der Gründerzeitblock mit Hof und Keller, das Wohnhaus mit Gastronomie im Erdgeschoss und der Neubau zwischen Ostbahnhof und Spree. Jede stellt bei einem Befall andere Fragen.
  • Für volle Mülltonnen im Hof ohne Sichtung ist das Ordnungsamt der Ansprechpartner, nicht das Gesundheitsamt.
  • Befallszahlen je Ortsteil veröffentlicht niemand. Wir behaupten deshalb keine.
01Ortsteil

Friedrichshain ist ein Ortsteil, kein Bezirk

Die Zuständigkeit hängt am Bezirk. Die Ausgangslage hängt am Haus.

Friedrichshain ist einer der beiden Ortsteile des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg, die Spree trennt ihn von Kreuzberg. Für die Schädlingsmeldung hat das eine einfache Folge: ein eigenes Amt für den Ortsteil gibt es nicht. Die Berliner Schädlingsbekämpfungsverordnung schickt die Meldung an das Gesundheitsamt des örtlich zuständigen Bezirksamts, und das ist für jede Adresse in Friedrichshain das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg. Anschrift, Kontaktwege und was das Amt dazu veröffentlicht, stehen auf unserer Seite zum Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg.Quelle 1

Warum dann eine eigene Seite? Weil Friedrichshain baulich kein einheitlicher Ort ist. Zwischen Frankfurter Allee, Samariterviertel und Boxhagener Platz stehen Gründerzeitblöcke, um die Simon-Dach-Straße liegt eine der bekanntesten Ausgehgegenden der Stadt, und zwischen Ostbahnhof und Spree sind ganze Neubauquartiere entstanden, dazu die Halbinsel Stralau im Südosten. Dazwischen die Zeilen der Karl-Marx-Allee, im Norden der Volkspark Friedrichshain. Ein Befall stellt in jeder dieser Bauformen andere Fragen — wer betroffen ist, wo die Zugänge liegen, welche Pflichten greifen. Diese Fragen sortiert diese Seite, Bauform für Bauform.

Was Sie hier nicht finden: Befallszahlen für Friedrichshain. Wie viele Meldungen aus dem Ortsteil eingehen, veröffentlicht weder das Bezirksamt noch das Amt für Statistik, und aus Bauformen rechnen wir keine Häufigkeit aus. Diese Seite sagt, welche Fragen eine Bauform stellt — nicht, wie oft sie gestellt werden.

02Altbau

Der Gründerzeitblock: Höfe, Keller, Dielen

Geschlossene Blöcke, gemeinsame Höfe, zusammenhängende Keller. Die Bauform entscheidet, wie viele Parteien ein Befall angeht.

Der Umweltatlas beschreibt die gründerzeitliche geschlossene Blockbebauung mit Hinterhöfen als den am dichtesten bebauten und versiegelten Wohnbereich Berlins, und die Bebauung des Bezirks ist überwiegend genau diesen Flächentypen zugeordnet. In Friedrichshain prägen solche Blöcke die Kieze zwischen Frankfurter Allee und Boxhagener Platz: Vorderhaus, Seitenflügel, Quergebäude, dahinter der Hof mit den Tonnen. Ein Haus teilt sich Hof, Brandwände und oft auch Kellergänge mit seinen Nachbarn. Für einen Befall heißt das zuerst: der Kreis der Beteiligten ist selten eine einzelne Wohnung.Quelle 4

Unter dem Block liegt der zweite Punkt. Für die Wanderratte beschreibt das Umweltbundesamt, dass die Tiere über Kellerfenster und defekte Kanalisationsanschlüsse in Gebäude eindringen, in Altbauten auch bis in die Wohnungen. Ein Gründerzeitkeller hat von beidem mehr als ein Neubau: alte Hausanschlüsse, Lichtschächte, nachträgliche Durchbrüche. Bei Ratten hängt daran mehr als ein Ärgernis, nämlich die Meldepflicht: der Befall ist unverzüglich dem Gesundheitsamt zu melden, und unverzüglich ist eine Fachkraft zu beauftragen. Wie beides läuft, steht auf unseren Seiten zu Ratten und zur Meldepflicht in Berlin.Quelle 3Quelle 1

Über dem Keller die dritte Eigenheit: Dielenböden, alte Scheuerleisten, Rohrdurchführungen, die in hundert Jahren mehrfach überarbeitet wurden. Ein Dielenboden hat Fugen, ein neuer Estrich hat keine, und eine Fuge ist ein Versteck und ein Weg. Mehr behaupten wir daraus nicht: ob ein einzelnes Haus betroffen ist, entscheidet die Besichtigung, nicht das Baujahr. Rechtlich ist die Lage bei den beiden Tieren, nach denen im Altbau am ehesten gefragt wird, unspektakulär: Mäuse und Bettwanzen stehen beide nicht in der Verordnung, eine Melde- oder Beauftragungspflicht besteht für sie nicht. Was jeweils zu tun ist, steht auf unseren Seiten zu Mäusen und Bettwanzen.Quelle 1

03Gastronomie

Die Kneipenmeile: Wohnen über dem Gastraum

Um Simon-Dach-Straße und Boxhagener Platz ist Gastronomie kein eigenes Gebäude, sondern ein Erdgeschoss.

Die Züge um Simon-Dach-Straße, Boxhagener Platz und Warschauer Straße sind als Ausgehgegend über Berlin hinaus bekannt. Baulich ist die Kneipenmeile keine eigene Bauform, sondern ein Erdgeschoss: der Gastraum sitzt im selben Gründerzeithaus wie die Wohnungen darüber. Küche, Lager und Schankraum teilen sich mit den Mietparteien dieselben Steigleitungen, dieselben Schächte und denselben Hof mit den Tonnen. Ein Befall in so einem Haus betrifft deshalb schnell zwei Welten mit verschiedenen Pflichten: den Betrieb unten und die Bewohner darüber.

Bei Schaben macht die Verordnung einen Unterschied, der oft überrascht: für synanthrope Schaben greift die Melde- und Beauftragungspflicht nur in besonders gefährdeten Einrichtungen, also etwa in Kita, Klinik, Praxis, Heim oder Massenunterkunft. Unabhängig davon gilt für Gebäude, zu denen ein Lebensmittelbetrieb gehört, eine eigene Regel: Maßnahmen ordnet das Fachamt nach Paragraf 6 Absatz 5 SchädlBekV nur im Einvernehmen mit dem für das Veterinär- und Lebensmittelaufsichtswesen zuständigen Fachamt an. Was ein Betrieb darüber hinaus leisten muss, steht auf unserer Seite zu Gewerbe und Gastronomie, das Tier selbst auf der Seite zu Kakerlaken und Schaben.Quelle 1

04Neubau und Wasser

Neubauquartiere am Ostbahnhof und die Lage an der Spree

Neue Quartiere, alte Kanäle. Zwischen Ostbahnhof und Spree treffen beide aufeinander.

Zwischen Ostbahnhof und Spree sieht Friedrichshain anders aus als am Boxhagener Platz: Neubauquartiere mit Tiefgaragen, Technikräumen und dichten Gebäudehüllen, dazu die Halbinsel Stralau im Südosten. Ein Neubau bietet weniger offene Fugen als ein Altbau, aber er hängt an denselben Leitungen unter der Straße. Der Bezirk ist nach dem Umweltatlas fast vollständig an die Mischwasserkanalisation angeschlossen, die einzige Ausnahme ist Stralau mit Trennsystem.Quelle 5

Was das mit Schädlingen zu tun hat, beschreibt das Umweltbundesamt für die Wanderratte: Populationen wechseln häufig zwischen dem Lebensraum Kanal und oberirdischen Bereichen, und in Gebäude gelangen die Tiere über Kellerfenster und defekte Kanalisationsanschlüsse. Dieselbe Quelle stellt klar, dass das Kanalsystem nicht ihr hauptsächlicher Lebensraum ist. Für die Praxis heißt das zweierlei: der intakte Hausanschluss ist im Neubau wie im Altbau die wichtigste Grenze, und eine Sichtung am Ufer ist kein Beleg für einen Befall im eigenen Haus — und umgekehrt.Quelle 3

Die Wasserlage selbst machen wir nicht zum Argument. Dass die Spree den Ortsteil im Süden begrenzt, ist Geographie und keine Befallsprognose. Gemeldet und bekämpft wird, was am konkreten Objekt festgestellt ist — nicht, was eine Lagebeschreibung nahelegen könnte.

05Meldung

Wohin die Meldung aus Friedrichshain geht

Der kürzeste Abschnitt dieser Seite, mit Absicht: der Meldeweg gehört der Bezirksseite.

Ein Rattenbefall in Friedrichshain ist nach Paragraf 5 Absatz 1 der Verordnung unverzüglich dem Gesundheitsamt des örtlich zuständigen Bezirksamts zu melden, also dem Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg, und unverzüglich ist eine Fachkraft zu beauftragen. Die Meldung ist per Brief, per E-Mail oder telefonisch möglich und gebührenfrei; als relevante Angaben nennt das Serviceportal des Landes den Ort der Sichtung, den Eigentümer des Grundstücks, die Kontaktdaten der meldenden Person und eine fotografische Dokumentation. Anschrift und Kontaktdaten des zuständigen Fachbereichs stehen auf unserer Seite zu Friedrichshain-Kreuzberg, was am Ende der Bekämpfung an das Amt geht, auf der Seite zur Meldepflicht in Berlin.Quelle 1Quelle 2

06Anfahrt

Wie wir nach Friedrichshain kommen

Der einzige Abschnitt auf dieser Seite, in dem es um uns geht.

Wir kommen nach Friedrichshain, ins Samariterviertel so gut wie nach Stralau. Eine Niederlassung im Ortsteil haben wir nicht, unser Betrieb sitzt an einer Anschrift in Berlin und fährt von dort los. Vor dem Haus parkt ein Wagen ohne Aufschrift, den Preis nennen wir nach der Besichtigung und bevor wir anfangen. Wir bekämpfen Ratten, Schaben, Bettwanzen und Mäuse und stellen die Bescheinigung aus, die das Bezirksamt zum Abschluss sehen will. Und weil die Frage hierher gehört: wer Biozide gegen Schädlinge einsetzt, braucht in Deutschland den Sachkundenachweis nach TRGS 523. Fragen Sie bei jedem Betrieb danach, bei uns auch.

Sagen Sie am Telefon, was Sie gesehen haben und in welcher Bauform das Objekt liegt — Altbau, Haus mit Gastronomie im Erdgeschoss oder Neubau. Danach ist klar, ob eine Meldung fällig ist und wie die Besichtigung aussieht.

07Fragen

Fragen und Antworten

Gibt es ein eigenes Gesundheitsamt für den Ortsteil Friedrichshain?

Nein. Friedrichshain ist ein Ortsteil des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg. Die Berliner Schädlingsbekämpfungsverordnung schickt die Meldung an das Gesundheitsamt des örtlich zuständigen Bezirksamts, und das ist für jede Adresse in Friedrichshain das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg. Anschrift und Kontaktwege stehen auf unserer Bezirksseite zu Friedrichshain-Kreuzberg.

1

Muss ich Ratten in Friedrichshain melden?

Ja. Nach Paragraf 5 Absatz 1 der Verordnung ist ein Rattenbefall unverzüglich dem Gesundheitsamt des örtlich zuständigen Bezirksamts zu melden, und unverzüglich ist eine Fachkraft zu beauftragen. Das gilt in Friedrichshain wie überall in Berlin, im Altbau wie im Neubau.

1

Sind Mäuse oder Bettwanzen im Altbau meldepflichtig?

Nein. Mäuse und Bettwanzen stehen beide nicht in der Berliner Schädlingsbekämpfungsverordnung, eine Melde- oder Beauftragungspflicht besteht für sie nicht. Das Baujahr des Hauses ändert daran nichts.

1

Unter meiner Wohnung ist eine Kneipe. Ändert das etwas bei einem Schabenbefall?

An der Meldepflicht meist nichts: für synanthrope Schaben greift sie nur in besonders gefährdeten Einrichtungen, also etwa in Kita, Klinik, Praxis, Heim oder Massenunterkunft. Gehört zu dem Gebäude ein Lebensmittelbetrieb, gilt aber eine eigene Regel: Maßnahmen ordnet das Fachamt nach Paragraf 6 Absatz 5 der Verordnung nur im Einvernehmen mit dem für das Veterinär- und Lebensmittelaufsichtswesen zuständigen Fachamt an. Was ein Betrieb zusätzlich beachten muss, steht auf unserer Seite zu Gewerbe und Gastronomie.

1

Im Hof stehen volle Tonnen, gesehen habe ich noch nichts. Wohin wende ich mich?

An das Ordnungsamt des Bezirks. Für Müllansammlungen und die damit verbundene Sorge vor Rattenzulauf verweist die Dienstleistungsbeschreibung des Landes auf das Ordnungsamt, nicht auf das Gesundheitsamt. Erst wenn ein Befall festgestellt ist, geht die Meldung an das Gesundheitsamt des Bezirksamts Friedrichshain-Kreuzberg.

2

Was gehört in die Meldung, und was kostet sie?

Das Serviceportal des Landes nennt vier relevante Angaben: den Ort der Sichtung, den Eigentümer des Grundstücks, die Kontaktdaten der meldenden Person und eine fotografische Dokumentation. Die Meldung selbst ist gebührenfrei, die Kosten der Bekämpfung trägt die nach der Verordnung pflichtige Person.

2

Ich habe eine Ratte am Spreeufer gesehen. Ist mein Haus jetzt befallen?

Daraus folgt nichts Automatisches. Das Umweltbundesamt beschreibt, dass Wanderrattenpopulationen häufig zwischen dem Lebensraum Kanal und oberirdischen Bereichen wechseln, und stellt zugleich klar, dass das Kanalsystem nicht ihr hauptsächlicher Lebensraum ist. Eine Sichtung im Freien belegt keinen Befall im Gebäude. Ob ein Haus betroffen ist, zeigt die Befallsermittlung am Objekt, nicht die Beobachtung am Ufer.

3

Wohne ich noch in Friedrichshain oder schon in Kreuzberg — ändert das die Zuständigkeit?

Nein. Beide Ortsteile gehören zum Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg, und zuständig ist für beide dasselbe Gesundheitsamt des Bezirksamts. Die Spree trennt die Ortsteile, nicht die Zuständigkeit.

1

Quellen

Woher die Angaben auf dieser Seite stammen

Jede rechtliche und biologische Aussage auf dieser Seite ist belegt. Die Fundstellen stehen hier, damit Sie nachlesen können.

  1. Verordnung zur Bekämpfung von Gesundheitsschädlingen (SchädlBekV) vom 22. April 2026GVBl. Nr. 13 S. 177 bis 180, gültig ab 09.05.2026. Paragrafen 1, 5, 6 und 9
  2. ServicePortal Berlin, Dienstleistung Schädlingsbefall meldenBeschreibung, Meldewege, relevante Angaben, Gebühren und der Verweis auf das Ordnungsamt bei Müllansammlungen
  3. Umweltbundesamt, Steckbrief WanderratteLebensraum, Wechsel zwischen Kanal und oberirdischen Bereichen, Eindringen über Kellerfenster und defekte Kanalisationsanschlüsse
  4. Umweltatlas Berlin, Karten 06.07 und 06.08 Stadtstruktur, Ausgabe 2020Kartenbeschreibung, Kartiereinheiten der gründerzeitlichen Blockbebauung und Zuordnung der Flächentypen im Bezirk
  5. Umweltatlas Berlin, Karte 02.09 Entsorgung von Regen- und Abwasser, Ausgabe 2022Kartenbeschreibung, Misch- und Trennsystem im Stadtgebiet, Trennsystem auf der Halbinsel Stralau

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